Meine Herzensthemen

Ich habe lange Zeit überlegt, ob ich einen solchen Blog wirklich starten soll. Ich selber stöbere gerne auf verschiedensten Seiten und lese alle möglichen Beiträge, aber meinen eigenen Blog schreiben? Nein, das kam für mich lange nicht in Frage. Immer wieder fragte ich mich: Was hast du den Lesern da draussen mitzuteilen, was nicht schon anderswo geschrieben steht, oder die lieben Leute nicht langweilt? Immer wieder haben mich solche Gedanken davon abgehalten, mit dem Schreiben zu beginnen. Natürlich habe ich in meinem 24 Lebensjahren viele Hochs und Tiefs erlebt, war glücklich und traurig, habe vieles gelernt und vieles wieder vergessen, aber das hat doch jeder von uns. Eines Abends ist mir klar geworden, wieso ich selber so gerne Blogs mitlese. Es geht gar nicht darum, Neues und Einzigartiges zu erfahren. Es geht nicht darum, sich über herausragende Talente oder Taten anderer zu informieren. Nein, ich lese Blogs, um mich in meinen alltäglichen Sorgen ein bisschen besser verstanden zu fühlen. Ich lese Blogs, um mitzukriegen, wie dieselben Dinge durch andere Augen unterschiedlich wahrgenommen werden. Und ich leses sie, um mir Mut zu machen.

Themen, die mir besonders am Herzen liegen sind etwa das Leben als Frau im 21. Jahrhundert und der Kampf um Gleichberechtigung. Welchen Feminismus brauchen wir, um ungesunden weiblichen Schönheitsidealen ein für alle Male abzuschwören? Wie können wir Gewalt gegen Frauen als strukturelles Problem angehen, ohne die Männer dabei auszuschliessen und in eine Ecke zu drängen? Wann werden wir Frauen uns auf dem Nachhauseweg im Stockdunkeln endlich geborgen fühlen können und unseren Körper so zeigen, wie wir möchten, ohne dafür beleidigt zu werden – behaart, dick, dünn, vernarbt, asymmetrisch?

„Frauen, die nichts fordern werden beim Wort genommen – sie bekommen nichts.“
Simone de Beauvoir

Ein weiteres Thema, das mich regelmässig beschäftigt ist die Schweizer Politik, in erster Linie Klimapolitik und Migrationsthemen. Das rührt einerseits daher, dass ich Politikwissenschaft studiert habe, andererseits ist es meiner Meinung nach einfach unheimlich wichtig, dass wir die Chance wahrnehmen, unsere Zukunft mitzugestalten. Wahlen und Abstimmungen sind vielleicht für einige nicht gerade der attratkivste Weg, dies zu tun, aber dennoch ein wichtiger. Längst nicht alle Menschen haben das Privileg aktiv mitzureden, Unterdrückung und Korruption sind häufig viel näher, als wir denken. Heutzutage gibt es in unserer Gesellschaft eine breite Palette an Möglichkeiten, sich politisch einzubringen und die eigene Meinung zu äussern. Ich glaube, es ist wichtig, diese Zukunft nicht zu fürchten oder einfach so hinzunehmen.

“Don’t ever make decisions based on fear. Make decisions based on hope and possibility. Make decisions based on what should happen, not what shouldn’t.”
Michelle Obama

Eine letzte Sache mit der ich mich – teils aus persönlichen Gründen, teils wegen Uni-Kursen – öfters auseinandersetze, ist das menschliche Zusammensein, vor allem in Form von Beziehungsmodellen. Inwieweit ist der Mensch wirklich für die monogame Ehe geschaffen? Wie lässt sich unser Wunsch nach vollständiger Autonomie mit dem Wunsch nach Liebe vereinbaren? Wieso verweilen wir viel zu oft in schädlichen Beziehungen? Weshalb hängt unser im Grunde sehr liebesbedürftiges Wesen heimlich noch immer am Ideal der romantischen Beziehung, während wir gegen Aussen keine Möglichkeit auslassen, einander zu versichern: „Nein, ich werde ganz bestimmt keine Gefühle entwickeln. Emotionen lassen wir draussen und zu viel Nähe geht sowieso gar nicht.“ Früher war die Liebe in erster Linie eine Freiheit, arrangierte Ehen waren an der Tagesordung. Heute ist Liebe auch eine Bedrohung. Sie erfordert, dass wir die Kontrolle über uns selber ein wenig gehen lassen, dass wir ein bisschen unserer Autonomie in die Hände eines anderen legen. Und sie macht uns verletztlich – in einer Welt, in der psychische Stärke, Gelassenheit und eine kompromisslose Positivität als absolutes Ideal gelten.

“I think there’s two things in human beings… that they want to be alone, but they also want to be together.”
Marylin Monroe

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Autor: Julie

Studentin, Journalistin, Blumenmädchen und Joggerin auf der Suche nach der Schönheit im Kleinen und der Leichtigkeit im Grossen

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